Immunsystem im Herbst: Wie echte Abwehrkraft medizinisch entsteht

Ein starkes Immunsystem entsteht nicht durch einzelne „Booster“, sondern durch das ausgewogene Zusammenspiel zentraler Faktoren wie Ernährung, Darmgesundheit, Bewegung, Schlaf, Regeneration und Stressregulation.
Was unsere Immunabwehr tatsächlich beeinflusst

‍

Es gibt keinen einzelnen Laborwert, der zuverlässig zeigt, wie „stark“ das Immunsystem eines Menschen ist. Ebenso wenig lässt sich Immunfunktion auf die Einnahme einzelner Vitamine reduzieren. Bei gesunden Menschen ohne besondere Beschwerden ist eine umfassende Immundiagnostik in der Regel nicht notwendig. Wer jedoch ungewöhnlich häufig, besonders schwer oder überdurchschnittlich lange an Infekten erkrankt, sollte mögliche Ursachen ärztlich abklären lassen. Je nach Anamnese können beispielsweise ein Blutbild mit Differenzialblutbild, ausgewählte Entzündungsparameter oder die Untersuchung möglicher Nährstoff defizite sinnvoll sein. Das bedeutet allerdings nicht, dass all diese Parameter bei jedem Menschen routine mäßig bestimmt oder ohne Indikation hochdosiert supplementiert werden sollten.

‍

Welche Untersuchungen sinnvoll sind, richtet sich nach Ernährung, Symptomen, Vorerkrankungen und individuellen Risikofaktoren. Bei einer auffälligen Infektanamnese kann auch eine gezieltere immunologische Diagnostik, beispielsweise mit Immunglobulinen wie IgG, IgA und IgM, sinnvoll sein. Das Ziel moderner Präventionsmedizin ist nicht, möglichst viele Werte zu bestimmen, sondern relevante Risikofaktoren und Defizite zu erkennen und daraus gezielte Maßnahmen abzuleiten.

‍

Ernährung, Protein und Darmbarriere

‍
Eine normale Immunfunktion setzt eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung voraus. Die Basis bildet deshalb eine abwechslungsreiche, überwiegend pflanzenbetonte Ernährung mit Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und Nüssen/Samen. Sie liefert neben Mikronährstoffen auch Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die unter anderem mit Darmmikrobiom und Darmbarriere interagieren. Auch eine ausreichende Proteinzufuhr ist wichtig. Aminosäuren werden nicht nur für den Erhalt der Muskulatur benötigt, sondern sind Grundlage für Bildung und Funktion von Antikörpern, Enzymen und verschiedenen Signal proteinen. Protein muss dabei keineswegs überwiegend aus Fleisch stammen. Hülsenfrüchte, Sojaprodukte, Nüsse, Samen und andere pflanzliche Proteinquellen können eine optimale Proteinversorgung ermöglichen. Auch die Fettqualität spielt eine wichtige Rolle. Besonders relevant sind die langkettigen Omega‑3-Fettsäuren EPA und DHA. Sie sind Bestandteile von Zellmembranen und Ausgangsstoffe verschiedener Botenstoffe und beeinflussen unter anderem die Funktion verschiedener Immunzellen und die Balance zwischen notwendigen Abwehrreaktionen und Entzündungsprozessen. Entscheidend bleiben eine insgesamt ausgewogene Fettzufuhr und das gesamte Ernährungsmuster. Einzelne Fettsäuren, Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel sind keine isolierten „Immun-Booster“.

‍

‍

‍

‍

Fasten und Autophagie: Was wissen wir wirklich?

‍

Intervallfasten und zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme sind auch aus immunologischer Perspektive interessant, weil die Nahrungsentzugzentrale Stoffwechsel- und Nährstoffsignalwege beeinflusst. In diesem Zusammenhang wird häufig die Autophagie diskutiert. Dabei handelt es sich um einen zellulären Recycling- und Qualitäts kontrollprozess: Nicht mehr benötigte oder beschädigte Zellbestandteile werden abgebaut und teilweise wieder verwertet. Autophagie trägt zur zellulären Homöostase bei und steht auch mit verschiedenen Prozessen der Immunregulation in Verbindung.

‍
Aus Zell- und Tiermodellen wissen wir schon länger, dass Nährstoffrestriktion Signalwege wie AMPK und mTOR beeinflusst, die mit Autophagie verbunden sind. Mittlerweile gibt es auch erste Human-Daten. Eine 2025 veröffentlichte randomisierte Untersuchunganalysierte den autophagischen Flux bei Menschen mit Adipositas. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass intermittierendes Fasten in Kombination mit zeitlichbegrenzter Nahrungsaufnahme den autophagischen Flux beim Menschen beeinflussen könnte (Bensalem et al., 2025). Die Ergebnisse sind interessant, erlauben aber noch keine Aussage darüber, wie lange Menschen für eine „optimale Autophagie“ fasten sollten. Bei geeigneten Menschen kann es viel mehr Teil einer metabolisch sinnvollen Lebensweise sein, welche sich indirekt positiv auf das Immunsystem auswirken könnte.

‍

Muskulatur, Bewegung und Regeneration

 

Muskulatur ist weit mehr als ein Bewegungsapparat: Sie fungiert auch als sekretorisch aktives Organ und setzt bei körperlicher Aktivität Botenstoffe, sogenannte Myokine, frei. Dazu gehören verschiedene Interleukine – Signalproteine, die unter anderem Immun-und Entzündungsprozesse regulieren. Langfristig ist regelmäßige körperliche Aktivität mit einer günstigeren Regulation niedrig gradiger systemischer Entzündungsprozesse verbunden.

 

Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel von Trainingsreiz und ausreichender Regeneration, die genauso einen wichtigen Faktor darstellt, wie Training selbst. Training stellt zunächst eine physiologische Belastung dar. Positive Anpassung benötigt ausreichend Erholung, Schlaf sowie eine angemessene Energie- und Proteinzufuhr. Hohe Trainingsbelastung in Kombination mit Schlafmangel, Energiemangel und fehlender Regeneration kann dagegen kontraproduktiv sein.


Schlaf und Stress: zwei zentrale Immunfaktoren

 

Chronischer Stress wird beim Thema Infektabwehr häufig unterschätzt. Besonders eindrucksvoll sind kontrollierte Virus-Expositionsstudien. In einer klassischen Untersuchung wurden gesunde Probanden gezielt verschiedenen respiratorischen Viren ausgesetzt. Mit zunehmender psychischer Belastung stiegen sowohl die Wahrscheinlichkeit einer nachgewiesenen Infektion als auch das Risiko, tatsächlich eine klinische Erkältung zu entwickeln (Cohen, Tyrrell & Smith, 1991). Stress beeinflusst die Immunfunktion dabei nicht isoliert. Nervensystem, hormonelle Stressachsen, Stoffwechsel, Schlaf und Immunregulation stehen in enger Wechselwirkung. Ähnlich relevant ist Schlaf. Ausreichender und regelmäßiger Schlaf unterstützt Regeneration und verschiedene Ebenen der Immunregulation. Wer langfristig an seiner Infektabwehr arbeiten möchte, sollte deshalb nicht nur Ernährung und Training betrachten, sondern auch fragen: Wie gut kann mein Körper zwischen den Belastungen regenerieren?

‍

‍

‍

Sauna, Eisbaden und Supplemente – was bringt wirklich etwas?

 

Regelmäßiges Saunieren ist gesundheitlich interessant. In einer kontrollierten Studie mit 50 Teilnehmern traten über sechs Monate in der Saunagruppe signifikant weniger Erkältungsepisoden auf. Die Dauer und Schwere der Erkältungen unterschieden sich dagegen nicht signifikant (Ernst et al., 1990). Aufgrund der kleinen Stichprobe reicht diese Untersuchung allein jedoch nicht aus, um Sauna als zuverlässige Methode zur Infektprävention zu betrachten.

‍

Ebenfalls zurückhaltend sollte man bei Eisbaden und Cold-Water-Immersion sein. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Meta analyse fand unmittelbar nach der Kälteexposition keinen signifikanten positiven Effekt auf die gemessene Immunfunktion (Cain etal., 2025). Kaltwasser immersion könnte aber zeitabhängige positive Effekte auf das Stresserleben sowie möglicherweise auf Schlafqualität und Wohlbefinden haben. Auch Supplemente sollten differenziert betrachtet werden. Für Zink zeigt eine aktuelle Cochrane-Analyse, dass eine präventive Einnahme Erkältungen wahrscheinlich kaum oder gar nicht verhindert. Zur Behandlung einer Erkältung eingenommenes Zink kann die Dauer der Beschwerden im Vergleich zu einem Placebo möglicherweise um etwa zwei Tage verkürzen. Die Sicherheit dieser Aussage ist aufgrund der heterogenen Studienlage allerdings begrenzt (Nault et al., 2024). Die regelmäßige Einnahme von Vitamin C verhindert Erkältungen in der Allgemein bevölkerung wahrscheinlich nicht, kann deren Dauer jedoch geringfügig verkürzen. Bei Menschen, die kurzzeitig extremer körperlicher Belastungausgesetzt sind, könnte Vitamin C das Erkältungsrisiko deutlich reduzieren. Für die Einnahme erst nach Symptom beginn gibt es insgesamt keine konsistenten Belege. Eine große Studie mit Erwachsenen berichtete allerdings über einen Nutzen einer einmaligen Dosis von 8 g Vitamin C unmittelbar zu Beginn der Symptome. Auch zwei Therapiestudien, in denen Vitamin C über fünf Tage eingenommen wurde, zeigten positive Effekte. Aufgrund der begrenztenStudienlage sind weitere Untersuchungen erforderlich. (Hemilä & Chalker,2013).

 

Im Buff Medical Resort übertragen wir diese Erkenntnisse in ein individuell abgestimmtes Präventionskonzept. Neben regelmäßigen Saunagängen und Atemtherapien zur Regulation des autonomen Nervensystems können auch osteopathische, physio therapeutische und fasziale Behandlungen die Regeneration unterstützen: Sie helfen dabei, muskuläre Spannungen zu reduzieren, die Beweglichkeit und Atemmechanik zu verbessern und damit gute Voraussetzungen für erholsamen Schlaf und regelmäßige körperliche Aktivität zu schaffen. Ergänzend können HRV-Messungen Hinweise auf das Verhältnis von Belastung und Erholung geben. Individuelle Ernährungsberatung, F. X. Mayr-Medizin und eine gezielte Unterstützung der Darmgesundheit greifen weitere Faktoren auf, die für eine normale Immunfunktion relevant sind. Supplemente oder Infusionen werden dabei nicht pauschal eingesetzt, sondern auf Grundlage der persönlichen Anamnese und medizinischer Befunde ärztlich ausgewählt.

‍

Fazit: Echte Abwehrkraft entsteht langfristig

‍

Ein leistungsfähiges Immunsystem entsteht nicht innerhalb weniger Tage und nicht durch ein einzelnes Präparat. Der Herbst kann deshalb ein guter Zeitpunkt sein, Prävention strukturiert anzugehen: individuelle Risikofaktoren erkennen, medizinisch relevante Defizite identifizieren und gezielt an den Faktoren arbeiten, die unsere Immunfunktion tatsächlich langfristig beeinflussen.

FAQ

Aktiviert Fasten die Autophagie?

Es gibt mittlerweile erste Human-Daten, die darauf hinweisen, dass intermittierendes Fasten den autophagischen Flux beeinflussen kann (Bensalem etal., 2025). Optimale Fastenzeiten oder ein daraus resultierender Schutz vor Infekten sind jedoch nicht belegt.

‍Stärken Sauna oder Eisbaden das Immunsystem?

Beide setzen physiologische Reize. Für Sauna gibt es erste interessante Daten(Ernst et al., 1990), während für Kaltwasserexposition bislang kein überzeugender unmittelbarer positiver Effekt auf die Immunfunktion gezeigt wurde (Cain et al., 2025). Kaltwasser immersion könnte aber zeit abhängige positive Effekte auf das sowie möglicherweise auf Schlafqualität und Wohlbefinden haben.

Können Vitamin C oder Zink bei einer Erkältung helfen?

Zink kann möglicherweise die Dauer einer bestehenden Erkältung verkürzen (Naultet al., 2024). Bei Menschen mit kurzzeitig extremer körperlicher Belastung, etwa Marathonläufern, kann Vitamin C das Erkältungsrisiko reduzieren. Einzelne Studien zeigten zudem Vorteile durch 8 g bei Symptom beginn oder eine fünftägige Einnahme. Insgesamt ist die Evidenz jedoch nicht eindeutig. (Hemilä &Chalker, 2013).

Mehr Beiträge

  • June 16, 2026

Die F.X. Mayr Therapie im Buff Medical Resort: Gesundheit beginnt im Darm

In der modernen Medizin rückt eine Erkenntnis immer stärker in den Fokus: Ein gesunder Darm ist die Grundlage für ganzheitliches Wohlbefinden.
  • June 16, 2026

Buff Medical Resort erhält MayrPrevent®-Zertifizierung

Das Buff Medical Resort ist ein offiziell zertifiziertes MayrPrevent® Zentrum – und gehört damit zu einer handverlesenen Gruppe von Gesundheitsresorts im deutschsprachigen Raum, die diese Auszeichnung tragen dürfen.
Direkt buchen
Aufenthalt buchen
Kontaktieren Sie uns
Beratung anfragen